Paul-Hunter-Classic: Happy End im Snooker

 

 

Wer einmal beim Paul-Hunter-Classic in Fürth war, der vergisst das nicht, heißt es. Es ist ein Event, bei dem die Seele der Snooker-Familie gestreichelt wird. Die Spieler kommen gerne wieder, das Publikum ist frenetisch bis enthusiastisch. Selten kommen sich Profis und Fans so nahe, ob nach den Matches an den Tischen oder morgens beim Frühstück im Hotel. Das Paul-Hunter-Classic ist DAS Turnier auf deutschem Boden (das mögen einem die Berliner an dieser Stelle verzeihen).

 

Dass der Name des verstorbenen Paul Hunter so eng mit dem Turnier verknüpft ist, ist eigentlich Zufall. Anlässlich seines fünfjährigen Vereinsjubiläums versuchte der fränkische Club SSC Fürth im Jahr 2004, einen Profi zu gewinnen, um den Zuschauern beim Jubiläumsturnier einen Kracher präsentieren zu können. Die Fürther konnten ihr Glück kaum fassen: Ihre Anfrage bei Paul Hunter, damals Charmebolzen der Szene und einer der begehrtesten Spieler überhaupt, hatte tatsächlich Erfolg. Und weil es zeitlich so schön passte, brachte Hunter seinen Kumpel Matthew Stevens, den Masters- und UK-Championship-Gewinner, gleich mit.

 

Die beiden kamen locker durch ins Finale, wo Hunter schließlich 4:1 gegen Stevens gewann. Da ahnte noch niemand, was sich bald darauf ereignen sollte. Hunter erkrankte schwer an Krebs, musste eine Chemotherapie über sich ergehen lassen. Obwohl arg geschwächt, versuchte er im Jahr darauf ein Comeback in Fürth. Das gesamte Publikum erhob sich vor Rührung, als Hunter ohne Haare die Halle betrat. Auch Hunter hatte Tränen in den Augen. Er schied früh aus, seine Geschichte fand kein Happy End: Hunter starb nur ein gutes Jahr später. Wer sich neben dem Snooker auch gerne körperlich betätigt, könnte durchaus von platzsparenden Fitnessgeräten profitieren.

 

Snooker Grand Prix Fürth

 

2007 wurde das Einladungsturnier, das bis dahin unter den Namen Snooker Grand Prix Fürth und Fürth German Open lief, in Paul-Hunter-Classic umbenannt. Als Geste an den ersten Sieger des Turniers, mit ausdrücklicher Zustimmung von Hunters Witwe und seinen Eltern. Das Turnier war beliebt bei den Top-Spielern, die kamen, obwohl es nie der Main Tour angehörte, in den ersten Jahren sogar nicht mal ein Ranglistenturnier war – wohl auch, um ihrem Freund Paul Tribut zu zollen. Shaun Murphy spielte hier (und holte zweimal den Titel), auch Ken Doherty oder Mark Selby.

 

Sogar der alte Jimmy White schaffte es 2009 noch einmal ins Finale, das er jedoch glatt 0:4 gegen Murphy verlor. Mit der Machtübernahme von Barry Hearn beim Profi-Weltverband erfuhr das Turnier eine Aufwertung, da Hearn es der neuen PTC-Tour zuordnete. Nun gab es Weltranglistenpunkte, und die Siegerliste las sich noch exquisiter: Judd Trump, Mark Selby, Ronnie O’Sullivan. 2011 übertrug erstmals der Sender Eurosport live aus der Fürther Stadthalle – soweit hatte es das Jubiläumsturnier eines kleinen Vereins also gebracht.

 

Und noch eine höchst emotionale Geschichte trug sich beim Paul-Hunter-Classic zu. 2015 gehörte auch Ali Carter zum Starterfeld, der gerade seine zweite Krebsbehandlung hinter sich gebracht hatte – und in Fürth sein Comeback feierte. Obwohl noch von der Chemo gezeichnet und längst nicht in Vollbesitz seiner Kräfte, siegte Carter im Finale mit 4:3 gegen Shaun Murphy. Vor einem Jahr habe ich nicht über Titel nachgedacht, sondern nur darüber, am Leben zu bleiben, sagte er nach seinem Finalsieg ergriffen. Als wollte er dem Krebs, der einst Paul Hunter viel zu früh aus dem Leben riss, am Ort des nach ihm benannten Turniers den Kampf ansagen. Und zeigen, dass es gegen diese fiese Krankheit doch Happy Ends geben kann.


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